Intel

Falle für Anleger oder Chance für Turnaround?

Intel ist angeschlagen. Der einst unangefochtene Chip-König hat sich in den vergangenen Jahren von immer mehr Konkurrenten technologisch überholen lassen. Den Boom bei Spezialchips für Machine Learning oder andere Anwendungen geht an Intel fast vorbei. Im Kerngeschäft muss das Unternehmen eine peinliche Verzögerung nach der anderen bei der Chipentwicklung melden. Investoren sind skeptisch, ob das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur kommt. Die Aktie hinkt dem Halbleiter-Index seit langem hinterher. Was kann uns der Blick auf das Patentportfolio über die Zukunft des Konzerns sagen?

Eine Dividendenrendite über 2%, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal 12 – für ein Unternehmen in der wachstumsstarken Chipbranche ist die Intel-Aktie überaus günstig zu haben. Das Problem: Intel wächst eben kaum noch. Das Intel-Papier lockt zurecht Value-Investoren an: Was kann es für diese Anleger Besseres geben als einen Konzern mit immer noch starker Marktstellung, viel Cash und ein paar verpatzten Jahren? Doch Vorsicht: Intel kann auch den Weg anderer Tech-Konzerne gehen, die als Value-Fallen endeten. Auch bei Nokia und Black Berry setzten wackere Value-Anleger lange auf eine Trendwende, am Ende vergeblich.

Der Blick auf die Innovationskraft des Konzerns ist nicht eindeutig. Der Quant IP Innovation Score** bleibt in den vergangenen Jahren nahezu unverändert, fast wieder Aktienpreis. Das Niveau ist mit 60 bis 70 Punkten ok, aber nicht berauschend. Dabei gibt Intel heut wesentlich mehr für Forschung und Entwicklung aus als noch vor 3 oder 5 Jahren. Das Problem: Es kommt immer weniger dabei raus. Es scheint als entwickle Intel nicht mehr genügend Neues, um gegen die Konkurrenz aus Asien und von Nvidia zu bestehen.

Aber es gibt Hoffnungsschimmer. Denn Intel hat die Probleme nicht nur erkannt, sondern seit ein paar Monate mit Pat Gelsinger auch einen neuen Chef, der anpackt und Dinge hinterfragt. Letzteres ist gerade dann wichtig, wenn ein großer Tanker wie Intel auf die falsche Route gekommen ist. Gelsinger will zum Beispiel in das Geschäft mit Auftragsfertigung einsteigen, dem sich seine Vorgänger stets verweigert hatten. Den ersten Auftrag von Amazon hat Gelsinger bereits an Land gezogen. Auch bei der Entwicklung verspricht er Besserung und möchte in 4 Jahren wieder die leistungsstärksten Chips auf den Markt haben.

Fazit: Mit einem neuen Chef, neuer Strategie und einer soliden Innovationsbasis ist es unwahrscheinlich, dass Intel zu einer Value-Falle für Investoren wird. Da Intel aber in den vergangenen Jahren viel Vertrauen bei Anlegern verspielt hat, wird es eine Zeit dauern, bis die Aktie den Bewertungsabschlag zur Branche schließen kann. Langfristanleger werden bis dahin immerhin mit mehr als 2% Dividendenrendite fürs Warten belohnt.

*Diese Analyse der Quant IP GmbH erfolgt im Rahmen eines institutsunabhängigen Erstellers und/oder Weitergebers von Anlagestrategie- und Anlageempfehlungen i. S. d. MAR. Quant IP ist unter anderem Entwickler des Quant IP Innovation Score und Fondsinitiator des Fonds Quant IP Global Patent Leaders (DE000A2P36A8). Hier erwähnte Aktien können im Portfolio des Fonds enthalten sein.

**Der Quant IP Innovation Score ist ein Aktienbewertungssystem, dass die relative Innovationskraft eines Unternehmens gegenüber seinen Wettbewerbern mittels Patentdaten misst und diese ins Verhältnis zur Bewertung der Aktie setzt. Der Score wird monatlich von der Quant IP GmbH berechnet und kann zwischen 100 und 0 liegen. Hohe Werte zeigen an, dass die gemessene Innovationskraft günstiger bewertet ist als bei Wettbewerbern.

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